Flotschi macht Urlaub

Eines Morgens – Flotschi ging gerade seinem Morgensport nach und sprang von Seerosenblatt zu Seerosenblatt über den Teich – landeten ganz viele Vögel an diesem beschaulichen Plätzchen in mitten eines kleinen Wäldchens.

Die Frösche hüpften hinfort, um sich zu verstecken – nur Flotschi nicht, der war zu neugierig. Er war einer von vielen jungen Fröschen an diesem Teich, an dem nie etwas spannendes geschah. Doch da sich das nun wohl zu ändern schien, blieb er auf einem Seerosenblatt sitzen, das dem Ufer sehr nah war. Er bewegte sich nicht und beobachtete ganz still, wie die Vögel kamen, ihren Durst löschten und wieder weiter flogen. Einer von ihnen, ein ziemlich großer aber leicht gebeugter Vogel, blieb etwas länger zurück. Er streckte die Flügel und dehnte sie, als wären sie ihm steif geworden.

Mutig hüpfte Flotschi ans Ufer direkt neben den älteren Vogel und fragte: „Was macht ihr alle hier? Ich hab euch hier noch nie gesehen!“ Flotschi hörte seinen besten Freund Tritschi unter einem Blatt hervorzischen: „Flotschi…. was machst du denn da? Hüpf weg! Versteck dich!“ Aber Flotschi betrachtete nur den großen Vogel weiter erwartungsvoll.

Dieser hatte den Kopf schief gelegt und schien nachzudenken. Dann plusterte er sich einmal auf, atmete durch und antwortete langsam. „Wir fliegen in den Süden.“ Flotschi zog die Augen zusammen. „In den Süden? Was soll das sein?“ Er schaute in den Himmel und überlegte angestrengt, was das wohl für ein Ort sei. „Nun, dort ist es wärmer und dort gibt es zu essen, wenn es hier kalt und eisig ist. Wir fliegen da immer hin, bevor es kalt wird.“ Jetzt wurde es richtig interessant für Flotschi. „Also wenn es hier kalt und eisig ist und wir uns in den Schlamm des Teiches zurückziehen müssen, weil der Teich zufriert, dann ist es irgendwo anders warm?“

Seine Stimme war immer lauter und höher geworden, so aufgeregt war er. Am Ende musste er sogar einmal auf und nieder hüpfen, um seiner Überraschung Ausdruck zu verleihen. Den älteren Vogel schüttelte es vor Lachen. „Ja, so ist es. Wir würden hier im Winter kein Futter finden, also fliegen wir weg. Im Frühjahr kommen wir dann wieder. Und jetzt muss ich los, sonst finde ich die anderen nicht mehr.“ Er streckte seine Flügel und wollte eben los hüpfen, als Flotschi – ohne weiter darüber nachzudenken – herausposaunte: „Nimm mich mit!“ Der Vogel erstarrte in der Bewegung und drehte den Kopf zurück zum frechen Frosch.

„Dich mitnehmen?“ fragte er verwundert. „Ja bitte – du kannst mich ja im Frühjahr wieder hier absetzen! Bitte bitte bitte!“ Er hörte, wie ein paar der anderen Frösche hinter ihm erschrocken die Luft einsaugten. Tritschi quietschte beinahe hysterisch. „Bist du verrückt geworden?!?“ Aber Flotschi ignorierte sie und sah den Vogel eindringlich an.

Dieser seufzte hörbar. „Dies wird vermutlich mein letzter Flug in den Süden…wieso also nicht. Hüpf rauf!“ Das ließ sich Flotschi nicht zweimal sagen. Mit etwas Anlauf schaffte er einen Sprung, hoch genug um auf dem Rücken des Vogels zu landen. „Ich heiße übrigens Gunbert. Halt dich gut fest und versteck dich in meinem Gefieder.“

Ein paar Hüpfer später stieß sich der große Vogel vom Boden ab und trug die beiden hoch hinaus in die Lüfte.

Was Flotschi wohl im Süden erwartet?

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