Selbstfürsorge

Selbstfürsorge ist aus zweierlei Gründen sehr wichtig

  1. eine ausgebrannte Mutter kann nicht die Mama sein, die sie gerne wäre. Ihr fehlen die Kraft und die Ressourcen einfühlsam und feinfühlig ihr Kind zu begleiten. Selbes gilt für Väter. 
  2. Kinder lernen unglaublich viel an unserem Beispiel. Wir sind ihr Vorbild. Sorgen wir nicht gut für uns, grenzen uns ab und schauen auf uns, lernen sie das auch nicht. 

Darum gilt: geht’s den Eltern gut, geht’s den Kindern gut!

Bedürfnisorientierte Elternschaft meint nicht, Aufopferung der Mutter zu Gunsten der kindlichen Bedürfnisse. Viel mehr darf man sich als Elternteil als KoordinatorIn der Bedürfniserfüllung aller verstehen. Das schließt dich als Mama oder Papa mit ein. Alle Bedürfnisse sind wichtig und müssen früher oder später erfüllt werden. Es ist an dir, dem Erwachsenen, gut abzuwägen, wann welche Bedürfnisse erfüllt werden und wer eventuell Bedürfnisaufschub leisten kann. Allzu lange sollten aber auch elterlichen Bedürfnisse nicht aufgeschoben werden. 

Impulse

Ich will euch ein paar Impulse zur Selbstfürsorge geben. Tatsächlich stellen sie mehr ein Mindset, eine innere Haltung, dar, die dich davor schützen kann, zu viel zu geben, dich selbst zu vergessen und irgendwann auszubrennen. 

Der Kernpunkt dieser Haltung ist das Verinnerlichen dieser Botschaft:

„Du bist wichtig! Deine Bedürfnisse sind zentral! Du selbst, deine körperliche und psychische Gesundheit, gehören auf den ersten Platz deiner Prioritätenliste und haben jedes Recht dort zu bleiben.“ 

Alle weiteren Impulse, Tipps und Tricks, ob hier oder woanders gelesen, dienen dir dazu, die eben beschriebene Haltung auch leben und umsetzen zu können. Zusätzlich hilft dir vielleicht noch dieser Glaubenssatz: „Ich darf mich um mich kümmern. Dann kann ich mich auch bestmöglich um mein/e Kind/er kümmern.“ 

Tipp: alte Glaubenssätze, die dich blockieren (beispielsweise „ich muss mich selbst hinten anstellen“) kannst du mit neuen Sätzen überschreiben, indem du sie auf ein Post-It schreibst, an einem gut sichtbaren Ort aufhängst oder mit dir trägst und diesen Satz bewusst immer wieder wiederholst. 

Lerne das Zauberwort „Nein“

Um deine Kräfte und Ressourcen einzuteilen und zu schonen musst du lernen, nein zu sagen.

Nein, zu den Menschen und Aufgaben, die diese Energie zusätzlich abzapfen. Das muss kein harsches Nein sein, nur ein bestimmtes. Ein „Nein“ zum Wochenendbesuch, zur Zusatzaufgabe für den Kindergarten oder die Schule (Kuchen backen usw), ein „Nein“ zur Freundin, die Hilfe bei ihrer Bewerbung braucht usw. Auch ein „Nein“ zum perfekten Haushalt, ein #gutgenug reicht auch. Ein „Nein“ schützt deine Grenzen. 

Wenn dir das schwer fällt, hilft dir vielleicht folgendes:

1. Schreibe dir eine klare Formulierung auf, damit du sie selbstsicher verwenden kannst.

„Nein, das kann ich nicht übernehmen. Dafür habe ich momentan keine Zeit.“ (Beispiel)

2. Schreibe dir auf, welche Zusatzaufgaben Kraft rauben und was du künftig (oder vorübergehend) nicht mehr machen möchtest. Leg dir eine Not-to-do-Liste an! 

Hat man gelernt „Nein“ zu sagen fällt es auch leichter, die erste Zeit mit Baby etwas zu entschleunigen und nach Stressfaktoren und Zeitfressern zu suchen. 

Für anstrengende Phasen mit dem Baby sollte die Devise lauten: 

Weniger ist mehr. 

Im Detail heißt das, dass man die Tage nicht überlädt, nicht mehr als einen Termin am Tag ausmacht und dazwischen für Ruheräume sorgt. Ein Baby ist von zu vielen Termine (oÄ) schnell überreizt, was häufig zu Regulationsschwierigkeiten am Abend führt. Auch Kleinkinder und Schulkinder brauchen, je nach individuellem Naturell, nicht unbedingt nach Kindergarten und Schule noch einen komplett vollgepackten Nachmittag. Ruhige Nachmittage tun dem gesamten Familiensystem gut. Lass dir von deinen Kindern nochmal beibringen, wie das „Entschleunigen“ funktioniert: sie sind Experten darin!

Kann man einen bestimmten Stressfaktor ausfindig machen, der immer wieder das Fass zu überlaufen bringt, ist es hilfreich, genau hinzuschauen: muss das sein? Brauche ich/brauchen wir das? Wenn ja, kann das jemand anderes übernehmen? Der Partner, die Oma, eine externe Hilfe? Kann das ältere Geschwisterkind hier mithelfen? 

Oder kann man vielleicht einfach etwas ändern, damit es erträglich wird?

Ein paar Beispiele:

Vielleicht kann Papa ja die Einschlafbegleitung übernehmen, weil er damit viel geduldiger ist?

Ein Wochenplan fürs Essen spart Zeit, Geld und ganz viele Nerven! 

Eine Haushaltshilfe übernimmt das verhasste Fensterputzen oder die Nachbarin, die morgens eh ihr Kind in den Kindergarten bringt, nimmt das größere Geschwisterkind mit! Sei mutig und kreativ!

Jetzt, da man „Nein sagen“ gelernt hat, Zeitfresser identifiziert und eliminiert hat und sich ein Netz geschaffen hat, das hilft, ist es Zeit für die richtige Selbstfürsorge: Schau auf dich!

Achte darauf, dass du genügend trinkst und gesund isst. Versuch, ein kleines Hobby zu reaktiveren oder neu zu entdecken. Besuche einen Yoga-Kurs oder Rückbildungsgymnastik. Tu, was dir gut tut! 

Am Anfang auch einfach mal ganz banal: Priorisiere Schlaf! Du bist müde? Dann leg dich abends mit deinem Kind hin. Du kannst dir sicher sein: das ist nicht für immer so. Es kommen wieder Zeiten, in denen ein bisschen mehr me-time Platz findet. Bis dahin ist ausreichend Schlaf vielleicht einfach mal wichtiger.  

Und zu guter Letzt: sei Achtsam im Alltag. Versuche öfter einmal den Augenblick ganz bewusst zu genießen. Die to-Do-Liste beiseite schieben und den Kuschel- oder Spielmoment mit deinem Kind zu genießen. Beim Spazierengehen wirklich die Natur wahrnehmen und nicht in Gedanken, Sorgen wälzen und Aufgaben jonglieren. 

Ich wünsche dir eine wunderschöne Zeit mit dir selbst 🙂

Alles Liebe, Michèle

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