Babys Feinzeichensprache

toddler wearing head scarf in bed
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Gut kommunizieren von Anfang an

Mein Körnchen war ein paar Wochen alt, als ich mich mit einer Freundin, die kurz vor mir ebenfalls Mutter geworden ist, austauschte. Lachend erzählte sie mir, dass sie noch nicht einmal ferngesehen hatte, seit ihr kleiner Sohn auf der Welt war. Und das, obwohl der Kleine noch ziemlich viel schlief. Sie war, genau wie ich, viel zu fasziniert von diesem wundervollen kleinen Geschöpf, dass es nun kennenzulernen galt. „Ich könnte ihn den ganzen Tag nur anschauen und beobachten!“ schwärmten wir beide.

Praktisch, wie die Natur das eingerichtet hat, nicht?

Unsere Babys kommunizieren mit uns. Nur eben nicht verbal. Und durch aufmerksame Beobachtung und feinfühliges Reagieren merken wir* relativ bald, was unsere Kinder von uns wollen oder wie es ihnen geht. Unser Kinderarzt erzählte mir lachend, welch großen Unterschied im Handling der Mütter mit ihren Babys er zwischen der ersten Untersuchung (innerhalb der ersten Woche nach der Geburt) und der zweiten Wochen (laut Mutter-Kind-Pass zwischen der 4. und der 7. Lebenswoche vorgesehen) ausmachen konnte. Während sie bei der ersten Untersuchung oftmals noch mit Unsicherheit auf das Weinen ihres Babys reagierten, strahlten sie bei der zweiten Untersuchung eine größere Sicherheit aus und wussten, was zu tun war. „Oh, da hat wohl jemand Hunger!“ – „Na schau, wer ist denn da schon wieder müde?“ in flötensüßer Stimme 🙂 Ihr kennt das bestimmt!

*in der Regel. Es gibt psychische Belastungen und Erkrankungen (wie bspweise die Wochenbettdepression) die dieses Erkennen und Reagieren erschweren. Mehr zur Wochenbettdepression kannst du hier nachlesen: Wenn das lang ersehnte Glück ausbleibt... 

Welche Signale hat Mama/Papa da gelernt?

Neugeborene sind kompetenter als oftmals angenommen. Sie verfügen bereits über die Verhaltensweisen, die sie brauchen, um sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen oder sich vor ihr zu schützen, wenn zu viele Eindrücke und Reize auf sie einströmen. Zu Beginn sind diese Regulationsfähigkeiten stark an körperliche Reaktionen gebunden: beschleunigte Atmung, marmorierte Haut, Abwenden des Blickes. Ein feinfühliger Elternteil erkennt diese sogenannten Feinzeichen von Säuglingen und reagiert in angemessener Weise, beispielsweise in dem er das Bedürfnis nach Ruhe respektiert und unterstützt. Dieses adäquate Antworten auf die Zeichen des Babys sind ein bedeutsamer Faktor für die Entstehung einer Sicheren Bindung.

Feinzeichen für Offenheit

Das Baby wendet der Bezugsperson den Kopf zu, stellt Blickkontakt her, macht Geräusche und brabbelt. Es bewegt sich weich und geschmeidig, nicht ruckartig oder hektisch. Der Blick strahlt Aufmerksamkeit aus und der Mund kann leicht geöffnet sein, als würde das Kind staunen. In dieser Phase ist der Säugling offen für Interaktion und das Erkunden der Umwelt. Eltern sind eingeladen, Reizangebote für alle Sinne zu machen.

Feinzeichen für Selbstregulation

Feinzeichen für Selbstregulation: Neigt sich der Moment der Offenheit zu Ende, weil das Kind erschöpft ist oder zu viele Reize auf es einströmen, beginnt es mit Versuchen der Selbstregulation. Die Zeichen dafür sind Gähnen, häufiges Blinzeln, Fäusteln, anhalten (an Kleidung, Ohren, Fingern usw), das Zusammenlegen der Füße und ein langes Halten des Blickkontakts. Die elterliche Aufgabe besteht nun nicht mehr in den Reizangeboten sondern in der Co-Regulation, also beispielsweise der Minimierung der Reize.

Feinzeichen für Stress/Belastung

Wird in der Phase der Selbstregulation nicht angemessen auf die Anzeichen reagiert, kommt es zu Anzeichen von Stress aufgrund von Hunger, Müdigkeit, Reizüberflutung oder Ähnlichem. Diese Zeichen sind: Senken oder Drehen des Kopfes, Abwenden des Blicks oder Zukneifen der Augen, rudern mit den Armen oder Wegdrücken der Bezugsperson. Es kann zu marmorierter Haut im Gesicht oder auf der Brust kommen. Bleibt die richtige Reaktion seitens der Bezugsperson aus, beginnt das Baby zu weinen oder zu schreien.

Feinfühliges elterliches Verhalten beschreibt die Fähigkeit, diese kindlichen Signale wahrzunehmen, angemessen zu interpretieren und sowie prompt und angemessen darauf zu reagieren. Diese Fähigkeit gilt als zuverlässiger Prädiktor für eine sichere Bindung.

Alles Liebe, eure Michèle

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Hi! Mein Name ist Michele, ich bin 32 Jahre alt, Mutter und Psychologin. Mit dem Kopf in den Wolken habe ich meine Bestimmung erst gefunden, als sie mir von der Hebamme in den Arm gelegt wurde. Jetzt genieße ich das Mama-Sein mit all seinen kreativen Entfaltungsmöglichkeiten!

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