„Wie du dein Schreibaby beruhigst“ von Andrea Zschocher

Die besten Tipps und Strategien für zufriedene Babys und gelassene Eltern

Buchrezension

Empowerment pur!

Schreibabys oder auch untröstlich weinende Babys sind in meinem Alltag als Familienbegleiterin immer wieder Thema. Neben dem offensichtlichen – dem Weinen – ist die familiäre Situation gekennzeichnet von sehr belastenden Charakteristika, wie Schlafmangel, Schuldzuweisungen und einer verzweifelten Suche nach der Ursache für das Weinen.

All das weiß die Autorin, Andrea Zschocher, aus eigener Erfahrung und von den vielen Eltern, die in ihrem Buch zu Wort kommen. Gemeinsam mit ExpertInnen räumt sie mit Mythen auf, beleuchtet mögliche Ursachen und Folgen des unstillbaren Weinens und bestärkt Eltern mit einer unglaublich wichtigen Botschaft:

Ihr seid nicht schuld! Ihr gebt euer Bestes, kommt an eure Grenzen, setzt euch sogar darüber hinweg. Es liegt nicht an euch. Und ihr seid nicht allein!

Neben Wissenswertem wie zum Beispiel, dass Koliken selten die Ursache, häufig aber die Folge von unstillbarem Weinen sind, und praktischen Tipps, wie den Gang zum Osteopathen für den Fall von Verspannungen des Babys nach einer Spontangeburt (nicht bei Kaiserschnitt) oder die Inanspruchnahme einer Trageberatung zum richtigen Tragen, schenkt das Buch vor allem ganz viel Kraft und Mut. Kraft, um den Weg weiter zu gehen. Weiter nach DER Strategie zu suchen, die vielleicht DIESE Woche hilft. Mut, sich Hilfe zu holen, wenn es zu viel wird, egal ob eine bestimmt Stundenanzahl ‚Weinen‘ bereits erreicht ist (3er Regel).

„Du bist der Maßstab dessen, was du verkraften kannst, und nicht irgendeine Statistik.“

Wie du dein Schreibaby beruhigst S. 20

Durch die Elternstimmen und auch den offenen und direkten Schreibstil der Autorin ist dieses Werk ungeschönt, ehrlich und authentisch. Es wird weder schön geredet noch schwarz gemalt. Ein Tipp kann helfen, muss aber nicht. Wichtig dabei ist, nicht gleich aufzugeben oder übermotiviert alle Tipps auf einmal auszuprobieren. Und sich selbst nicht an der Suche nach einer Ursache und einem Schuldigen aufzureiben. Der Umgang der Autorin sowohl mit dem Thema als auch mit den LeserInnen ist spürbar empathisch und wertschätzend. Für mein Empfinden wurde hier genau der richtige Ton für diese sehr belastende Zeit im Leben mancher Eltern getroffen.

„Du legst mit deinem Da-Sein den Grundstein für eine tiefe Bindungserfahrung, die dein Kind durchs Leben tragen wird. Es weiß, dass es immer auf dich zählen kann, denn du warst da, als es untröstlich weinte. […] Du machst das alles, so gut du kannst, und das ist ganz wunderbar.“

Wie du dein Schreibaby Beruhigst S. 178

Dieses Buch stellt für mich eine klare Leseempfehlung für Betroffene sowie Freunde und Familie von betroffenen Eltern dar. Wer sich nicht vorstellen kann, wie das Leben mit einem Schreibaby aussieht: bitte hier einen Blick hineinwerfen. Du möchtest deiner Freundin mit Schreibaby helfen, aber auf dein „Meld dich, wenn du Hilfe brauchst“ kommt nie was? Lies das. Du arbeitest im psychosozialen Bereich und hast immer wieder mit Müttern und untröstlichen Babys zu tun? Dieses Buch gibt eine gute Übersicht, was untersucht werden kann/sollte und welche Strategien man den Müttern raten könnte.

Mein Rezensionsexemplar macht sich jetzt auf jeden Fall auf die Reise durch unser FamilienbegleiterInnen-Team 🙂


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