Medienkonsum

Be- und Entlastung in einem

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Ich starre auf den Flyer. Ich drehe und wende ihn, um die Quellenangabe zu finden. Wenn du, lieber Flyer, schon mit verurteilendem Finger hoch erhoben über mir stehst und mir ein schlechtes Gewissen machst, weil mein Sohn fernsieht, dann sag mir auch, was dir das Recht dazu gibt. Willst du nicht oder kannst du nicht?

Ich will auf diese Broschüre, die die Schädlichkeit von Medienkonsum an einer Zahl bemisst, gar nicht weiter eingehen. Das Thema wird im MDR-Bericht mit Nora Imlau sehr gut beleuchtet – also bitte unbedingt lesen. Dort bekommt man auch eine kleine Checkliste an die Hand, was ich persönlich ja immer ganz fein finde – zumindest so als kleine Orientierungshilfe.

Die für mich wichtigste Botschaft:

Die wichtigste stammt von Dylan B. Jackson von der Universität Texas (2018) und besagt: Es gibt zwar tatsächlich Hinweise darauf, dass intensiver Medienkonsum für Kinder ungesund sein kann, doch das gilt vor allem in Kombination mit anderen problematischen Faktoren. Zugespitzt könnte man sagen: Ein Kind, das ohne Gespräche, ohne Kuscheln, ohne Vorlesen, ohne Spielen und ohne Naturerfahrung quasi allein vor nicht kindgerechten Sendungen aufwächst, hat ein echtes Problem.

Ein Kind hingegen, das in einem liebevollen, kommunikativen Elternhaus mit vielfältigen Sinneserfahrungen groß wird, also im Alltag jede Menge spielt, liest, singt, lacht und rennt, kann kaum so viel Unsinn anschauen, als dass es ihm schaden könnte.

Quelle MDR

Wie so oft und eigentlich wenig überraschend gilt: Die Mischung macht’s. Wir alle wissen, dass Fernseher & Co. keine Babysitter sind und sich auf Dauer eben auch negative Effekte einstellen können. Die immer genervte und gestresste Mutter, die im Hamsterrad rennt und sich neben Haushalt und HomeOffice noch ein Bein ausreißt und zwar bastelt, aber bei ein bisschen Kleber auf dem Stuhl an die Decke geht – hat ebenfalls keinen positiven Einfluss auf das Kind. (Fiktives Beispiel)

Warum ich das schreibe? Weil es mich selbst betrifft. Ich bin anfällig für dieses schlechte Gewissen und muss mir selber immer wieder vor Augen führen, dass man von einem leeren Brunnen nicht mehr schöpfen kann. Dass keiner in meiner Familie etwas davon hat, wenn ich mich zerreiße. Dass es ok ist, auch mal ein bisschen zu cheaten oder schummeln, 5 gerade sein zu lassen und nicht perfekt, sondern nur #gutgenug zu sein. Und das dazu auch gehört, dass das Kind mal etwas mehr Fernsehen darf, als das so geplant war. Und ich mit mir selber nachsichtig sein darf, dass ich die Faktoren „keine Kinderbetreuung“ , „HomeOffice“ und „Pandemie“ eben nicht habe planen können und jetzt improvisieren muss.

Und wenn ich gerade dabei bin, es mir vor Augen zu führen, dachte ich mir, geb ich die Botschaft gleich noch an euch weiter 🙂 Lasst euch nicht ärgern!

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Author: Milu

Hi! Mein Name ist Michele, ich bin 32 Jahre alt, Mutter und Psychologin. Mit dem Kopf in den Wolken habe ich meine Bestimmung erst gefunden, als sie mir von der Hebamme in den Arm gelegt wurde. Jetzt genieße ich das Mama-Sein mit all seinen kreativen Entfaltungsmöglichkeiten!

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