Aufräumen mit Kleinkind

Autoparkplatz*

Spielerisch und konkret

Habt ihr mal darüber nachgedacht, wie abstrakt eigentlich die Aufforderung „aufräumen“ ist? Klar habe ich mir beim Kinderzimmer einrichten gedacht „hier ein liegendes Ikea-Regal mit den praktischen, quadratischen Kisten für die Spielsachen. Perfekt, damit der Kleine selber aufräumen kann.“ Ich bin nicht sicher, ob ich das aber auch genauso meinem Kind kommuniziert habe…

Eigentlich hilft Körnchen total gern. Er schaut zu was ich mache, fragt nach oder ich kommentiere es. Seine Hilfsbereitschaft endet aber beim Aufräumen seiner Spielsachen. Und mir ist zwar klar, dass er sich mitten in der Autonomiephase befindet, aber wenn ein Konflikt in einem gewissen Bereich immer wieder auftritt, will ich schon mal genauer hinschauen.

Was ist da los?

Meine erste Überlegung bezieht sich darauf, wem die Sachen gehören und wer ‚vermeintlich‘ als zuständig dafür wahrgenommen wird. Er ist nämlich (momentan) sehr hilfsbereit, wenn es um ‚meine‘ Tätigkeiten geht: Geschirrspüler ausräumen, Wäsche sortieren/zusammenlegen/wegräumen, staubsaugen usw. Da er aber seit neustem versteht, dass das Lego „Nörnchen gehört“ (wie er zu sagen pflegt), beansprucht er sein Recht, selbst zu bestimmen, was mit seinen Sachen geschieht. Machen Mama und Papa schließlich auch. Es passt ihm daher nicht in seinen Plan, wenn ich plötzlich bestimme „So, jetzt wird aufgeräumt!“

So viel zur ersten Überlegung. Die zweite hatte ich bereits direkt zu Beginn erwähnt: aufräumen ist eigentlich ziemlich vage. Was heißt das eigentlich und warum muss das sein. Und überhaupt: warum, Mama, stört dich mein Spielzeug auf dem Boden?! Und wo gehört es denn hin? Kann ich dann morgen wieder damit spielen, wenn es jetzt ‚aufgeräumt‘ wird?

Neben erklären, warum ich will, dass abends/im Dunkeln kein Lego mehr herumliegt – inklusiver kleiner Vorführung, wie unangenehm es ist, auf Legosteine zu treten – habe ich noch folgende Dinge ausprobiert bzw. eingeführt:

  • feste Plätze, konkrete Anweisungen: Puzzle und Spiele in den Schrank, Lego in die Kisten, die Autos auf den Parkplatz*, Stofftiere ins Regal, Bücher aufs Bücherbrett
  • der Autoparkplatz*: ein großes Stück Karton mit ein paar Linien und ein bisschen Farbe – kleiner Aufwand, große Wirkung. Für Körnchen ganz klar: Autos gehören nicht aufgeräumt, die müssen eingeparkt werden! (siehe Titelbild)
  • Die Legosteine wollen nicht in die Kiste? Dann bauen wir so viele wie möglich auf die große, grüne Platte. Das wichtigste ist doch, dass sie nicht mehr halsbrecherisch auf dem Boden liegen 🙂
  • Körnchen läuft, springt und tanzt eigentlich die ganze Zeit. Spielzeug-Staffellauf gefällig? Mit jedem Stofftier einmal tanzen, bevor sie schlafen gehen?
  • Ein jeder Koch und Handwerker weiß: zu Feierabend müssen Küche und Werkbank sauber gemacht werden! Alles an seinen Platz und einmal abgewischt, damit für den nächsten Arbeitstag alles bereit ist. Nach der Arbeit geht’s mit dem Auto nach Hause und das Auto wird geparkt…
  • Lustig gespielt, ist halb aufgeräumt 😉

Ich will aber auch ganz ehrlich sein: Will Körnchen partout nicht aufräumen, trete ich auch mal einen Schritt zurück und lass es gut sein. Denn ICH bin es, der es wichtig ist, dass es genau JETZT erledigt wird. Ich kämpfe keinen Kampf bis zum bitteren Ende „weil er das eben lernen muss“ – ebenso wenig, wie beim Zähneputzen, wenn ihr euch erinnert. Ich versuche es zu einem späteren Zeitpunkt wieder. Und ich lebe vor, was mir wichtig ist.


Geschichten wollen erzählt, Beiträge geliked und geteilt werden.

Ich danke dir 🙂

Author: Milu

Hi! Mein Name ist Michele, ich bin 33 Jahre alt, Mutter, Psychologin, Familienbegleiterin und Autorin für den Humboldt-Verlag. Mit meinem Mama- und Psychologieblog möchte ich meine Erfahrungen als Mama des Körnchens (09/2018) sowie aus meiner Arbeit als Familienbegleiterin teilen. Durch meinen Kernberuf als Psychologin fließen auch Aspekte der Entwicklungspsychologie und der Bindungstheorie in meine Texte ein.

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