Gewalt gegen Kinder

„Dann geh ich eben und lass dich allein“

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Wer mir auf Facebook folgt hat vielleicht schon meinen Post zum Kinderbuch „Leo Lausemaus hat schlechte Laune“ gesehen. Heute könnte ich ein Kinderbuch mit dem Titel „Körnchen Sternenstaub hat schlechte Laune“ schreiben, denn ich habe heute nur müdes quengeln und sehr viel Nein Nein Nein zu hören bekommen. Und wenn alles nicht geholfen hat und der Unmut nicht ausreichend zum Ausdruck gebracht werden konnte, dann wurde ich auch einfach mal mit der flachen Hand ins Gesicht gepatscht.

Wäre ich nun Leos Mama, hätte ich wohl Dinge gesagt wie:

Buchauszug "Ich lass dich hier allein"
Leo Lausemaus

Psychische Gewalt

Eigentlich wäre mein größter Wunsch, dass ich das hier jetzt gar nicht sagen muss, aber leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass Folgendes nicht jedem klar ist: das ist psychische Gewalt. Drohen und Angst dazu verwenden, ein gewünschtes Verhalten zu erzielen, ist Gewalt! Und dieses verletzende Verhalten wird nicht nur in diesem Kinderbuch (das direkt in die Tonne gewandert ist) als Normalität dargestellt, es ist leider immer noch eine gängige Strategie im Umgang mit „trotzigen“ Kindern.

„Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ §1631 Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches

Zornen auf dem Parkplatz – „Dann bleibst du eben allein im Auto“. Zornen im Supermarkt – „wenn du jetzt nicht hörst, kannst du schauen, wie du nach Hause kommst!“ Das kleine Mädchen will den Spielplatz noch nicht verlassen, obwohl es zu regnen beginnt? – „Dann bleibst du eben hier und wirst nass. Ich kümmere mich dann aber nicht um dich, wenn du krank wirst. Das ist dann dein Problem!“ Manchen Kindern kann man die Angst förmlich ansehen, wie sie flehend und weinend hinter ihren Eltern her laufen, die Augen weit aufgerissen. Für wieder andere scheint diese Drohung nicht neu zu sein, sie zucken abgebrüht mit den Schultern. Auch hier bricht mein Herz ein klein wenig, denn dieses Kind hat vermutlich bereits gelernt, dass es sich nur auf sich selbst verlassen kann. Nichts von alledem entspringt meiner Fantasie. Ich habe alles schon genau so beobachtet.

Körperliche Gewalt

Über Erziehung mit und durch Angst und diese Form der psychischen Gewalt will ich schon lange etwas schreiben. Diese Woche kamen dann zwei weitere Punkte dazu: mir fiel dieses Kinderbuch in die Hände und das Universitätsklinikum Ulm veröffentlichte eine im Auftrag von Unicef und des Kinderschutzbundes durchgeführte Studie über die Einstellung von Eltern hinsichtlich Körperstrafen in der Erziehung.

42,7 % der Befragten gaben an, einen „Klaps auf den Hintern“ als Erziehungsmethode angewandt zu haben. Eine „leichte Ohrfeige“ wurde von 17,6 % der Teilnehmenden als Erziehungsmittel eingesetzt.

Bedenklich ist neben dem erschreckend hohen Anteil, der leichte Körperstrafen anwendet, auch, dass diese Zahlen sich in den letzten Jahren nicht mehr verbessert haben. Deswegen hier nochmal in aller Deutlichkeit und mit der eindringlichen Bitte an euch, diese Botschaft in die Welt hinaus zu tragen: Jedes Kind hat das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung!

Artikel zur Unicef-Studie


Helft mit und tragt die Botschaft in die Welt, teilt:

Ich danke euch.

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