Welt-Frühgeborenen-Tag

person holding babys hand
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Zum heutigen Welt-Frühgeborenen-Tag dachte ich mir, schreib ich euch einen kurzen Beitrag zum Thema Frühchen. Tatsächlich ist per definitionem auch mein kleines Körnchen damals ein Frühchen gewesen, denn er kam in der SSW 36+0 zur Welt, was leider auch dazu führte, dass er in den ersten Tage noch etwas zusätzlichen Unterstützungsbedarf benötigt hat. Aber zu unser aller Glück war er ein kräftiges Kerlchen 🙂

Frühchen – was bedeutet das?

Gut, der Name ist natürlich an und für sich selbsterklärend – ein Frühchen ist „zu früh“, also vor dem Termin. Ist man schwanger, wird ein Geburtstermin errechnet: man addiert zum ersten Tag der letzten Regel 7 Tage, zieht drei Monate ab und addiert wieder ein Jahr (Naegele-Regel). Nehmen wir an, der erste Tag der letzten Periode war der 04.11.2020. 7 Tage dazu ergibt den 11.11.2020. Ziehen wir drei Monate ab kommen wir zum 11.08.2020. Und dazu noch ein Jahr obendrauf ergibt einen Errechneten Geburtstermin (ET) am 11.08.2021.

Wenn wir bei unserem Beispiel bleiben, wäre ein Baby, dass am 09.08.2021 zur Welt kommt, kein Frühgeborenes, auch wenn es genau genommen, 2 Tage vor dem Termin geboren wird. So genau ist der ET nicht zu verstehen. Zu früh meint in diesem Kontext, dass ein Kind vor der vollendeten 36. Schwangerschaftswoche (also vor dem Tag SSW 37+0) zur Welt kommt. Das Problem bei vorher geborenen Babys ist die Unreife von Organsystemen und deren Funktionen. Der Körper ist noch nicht ausreichend gereift, um seine Aufgaben außerhalb des schützenden und versorgenden Körpers selbstständig in vollem Umfang zu übernehmen. Das ändert sich dann ab der 36. Schwangerschaftswoche, ab diesem Zeitpunkt besteht in der Regel keine Gefährdung mehr durch Organunreife. Die Lebensfähigkeit hingegen beginnt bereits früher, ab der 24. SSW. Ab diesem Zeitpunkt ist ein Überleben mit den heutigen medizinischen Möglichkeiten wahrscheinlich.

Das leichteste in Österreich bisher geborene Baby kam 2019 in Graz in der 26. Schwangerschaftswoche mit 273g und 26cm zur Welt und durfte die Klinik nach 8 Monaten verlassen.

Zu den Risikofaktoren gehören mütterlicherseits neben körperlichen Aspekten, wie Uterusanomalien, Zervixinsuffizienz, Infektionen, Mehrlingsschwangerschaften usw., auch psychosoziale Faktoren wie Stress, Alkohol-, Nikotin- und Drogenkonsum sowie Unterernährung. Eine gute und kontinuierliche Betreuung während der Schwangerschaft, durch Gynäkologen und Hebammen, aber gegebenenfalls auch durch helfende Personen aus dem psychosozialen Bereich, können das Risiko für eine Frühgeburt senken und sind generell angeraten.

Die Folgen

Die Folgen einer Frühgeburt sind in einem hohen Maße davon abhängig, wie lange die Organe Zeit hatten, im Mutterleib zu reifen. Zusätzlich zu individuellen Schwangerschaftsverläufen, genetischen Prädispotionen, prä- sowie postnatalen Einflussfaktoren und vielem mehr. Daher soll an dieser Stelle auf eine Auflistung möglicher Folgen verzichtet werden. Die therapeutischen Maßnahmen nach der Geburt zielen auf eine Stabilisierung der Organunreife ab. Besonders wichtig sind dabei die Beamtung, Wärmehaushalt, Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr und Nahrungsaufbau. Zeitgleich wird versucht, eine Mutter-Kind-Bindung aufzubauen/zu ermöglichen. Hierbei hat sich die Känguru-Methode bewährt, dass sie wesentlich zur somatischen Stabilisierung beiträgt. Dabei wird das Kind (nur mit einer Windel bekleidet) auf die nackte Haut der Mutter gelegt und zwar so, dass es Zugang zur Brustwarze hat und jederzeit saugen könnte. Wichtig sind Wärme, Ruhe und Zeit.

Die Känguru-Methode zeigte in einer groß angelegten Studie gegenüber der herkömmlichen Brutkasten-Methode deutliche Vorteile hinsichtlich Gewichts- und Hirnentwicklung (Charpak & Canguro).

Für weitere Informationen werden folgende Seiten empfohlen (Links):

Deutschland

Österreich


Abschließend noch eine Botschaft an alle Eltern:

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