Wieso eigentlich immer beim Einkaufen?

Es ist Samstag Vormittag und ich frage das Körnchen: „na, willst du mit zum Einkaufen?“ Er jubelt, ruft: „Hofer!“ und rennt zur Tür. Ich muss die Begeisterung nochmal dämpfen, denn ohne Hose geht’s nicht. Schuhe braucht man auch noch, wie anstrengend. Aber das Körnchen lenkt ein und wir fahren los.

Auf dem Weg zählt er die Dinge auf, die er einkaufen möchte. Pufuleti und Quetschies müssen unbedingt in den Wagen. Und Butter brauchen wir auch. Oh, und Apfelsaft! Wir hören Musik und die Stimmung ist toll. So toll, dass er auf dem Parkplatz direkt loslaufen will, um sich einen kleinen Wagen zu holen. Was ich wiederum einbremsen muss, damit ihm nichts passiert. Es ist immerhin ein Parkplatz, samstags vor einem Discounter!

Wir starten mit einem großen und einem kleinen Einkaufswagen. „Vorsicht, nicht in andere Leute reinfahren!“ – „davon bitte nur eines in den Wagen.“ – „Danke, aber Slipeinlagen haben wir letzte Woche schon eingekauft.“ – „Stop, wir müssen noch beim Gemüse vorbei.“ Zwischendurch sprechen dann auch noch völlig fremde Menschen das mit großen Augen umherlaufende Körnchen an. „Mei, du bist aber ein netter Bub.“ – „Schau mal, hier gibts Schokolade. Du musst die Mama fragen, ob du welche haben darfst.“ – „Achtung, ich muss da mit dem Gabelstapler vorbei!“ . Letzteres eher nicht so freundlich.

Wir schaffen es schließlich bis zum Kühlregal, dem letzten Gang vor der Kasse und das Körnchen stürmt los zu den Eierkartons. Letzte Woche haben wir auch Eier gekauft und er will mir unbedingt helfen. Doch ich hüpfe hinterher, voller Angst, er könnte den ganzen Karton Eier fallen lassen, so dass wir in Mitten einer größeren Schweinerei stehen. Als ich ihm den Eierkarton abnehmen will, ist es ihm zu viel und er wirft weinend auf den Boden. Nicht das noch! ist mein erster Gedanken. Ich will fertig werden und nach Hause. Es war nun wirklich schon anstrengend genug bis hierher.

Das Bild der „Flipperkugel“

Nicht nur für dich, sagt eine Stimme in meinem Kopf. Auch für den kleinen Jungen, der voller Enthusiasmus war, als es los ging. Der seiner Mama voller Tatendrang helfen wollte und neugierig die vielen Dinge im Laden entdecken wollte. Für den kleinen Jungen, der wie eine Flipperkugel immer wieder auf Barrieren und Begrenzungen stieß, während ihn viele verschiedene Reize, wie bunte Lichter und flippiger Sound, ablenkten. Dieser kleine Junge kooperierte, bis er nicht mehr konnte. Bis er sich nicht mehr zu helfen wusste und sich nur noch auf dem Boden werfen konnte. Denn im Gegensatz zu mir hatte er nicht gelernt, wie man diesen ganzen Frust reguliert.

Ich half ihm dabei. Schob unseren Einkaufswagen auf die Seite und setzte mich neben ihn. Ich hörte die zur Kasse pilgernden Menschen um uns herum mutmaßen, dass der Kleine bestimmt müde oder hungrig sei, aber ich hatte Glück und wir blieben unbehelligt. Ich erklärte ihm, dass es bestimmt furchtbar anstrengend sein muss, dass hier so viele Sachen zu sehen sind, so viele Leute da sind und es auch ziemlich laut ist. Und wie frustrierend es ist, wenn man dauernd aufpassen muss und nicht einfach mit dem kleinen Wagen losrennen darf. Alles das und mehr. Bis er auf meinen Schoß kletterte und sich beruhigte. Dort sammelte er neue Kraft für die nächste Etappe im Leben der „Großen“ – bezahlen an der Kasse, Einladen ins Auto.

Für alle, die sich, genau wie ich, schon mal gefragt haben: wieso eigentlich immer im Supermarkt oder auf dem Parkplatz davor? Das oben beschriebene kann eine Antwort sein.

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