„Super! Gut gemacht!“

Gedanken zum Thema Loben

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Vor kurzem fragte mich eine Freundin, wie ich das mit dem Loben beim Körnchen handhabe. Tatsächlich hatte ich im Studium vom Effort-Effekt gehört und nach der Lektüre des Artikels „Warum wir unsere Kinder nicht loben sollten“ (sehr empfehlenswert und ausführlicher zum Thema) von geschwünschtestes Wunschkind ebenfalls bereits vor einer Weile darüber nachgedacht und begonnen, mein Verhalten und das anderer Bezugspersonen zu reflektieren.

Als erstes fiel sofort auf, dass wir über die Maßen oft loben. Eigentlich andauernd. Und wirklich nicht sehr spezifisch oft eher salopp nebenbei. Und erst vor kurzem merkte ich, dass das Körnchen manchmal inne hielt und auf Bestätigung wartete, obwohl ich mein Verhalten hinsichtlich des Lobens bereits geändert hatte. Zumindest hatte es den Anschein, ganz 100%ig sicher bin ich nicht immer, was in seinem kleinen Köpfchen vorgeht.

Mein Weg

Ohne das Thema jetzt total auseinander zunehmen, SO gehe ich inzwischen mit Lob um: da es mir sehr sehr wichtig ist, authentisch zu sein, lobe ich die Dinge, die Stolz, Begeisterung, Verblüffung, Freude usw. auslösen. Diese Dinge versuche ich dann so spezifisch wie möglich zu loben, und nicht nichtssagend. Die ersten Schritte mit dem Laufrad? „Oh, wie toll! Du bist aufgesessen und ganz allein ein paar Schritte mit dem Laufrad gegangen! Ich freu mich!“ begleitet von Jubel. Danach ist er umgeplumpst und versucht es nochmal? „Ich bin stolz auf dich, weil du es gleich nochmal tust!“ Es fühlt sich einfach richtig an, diese Begeisterung und Freude auch mitzuteilen.

An anderer Stelle, beispielsweise das 127. Bild mit bunten Strichen, kommt nicht mehr soviel Freude auf. Aber ich kann es wahrnehmen und meinem Sohn zeigen, dass ich ihn und das, was er tut, sehe. Dass er und sein Leben für mich von Interesse sind und er meine Aufmerksamkeit hat. „Oh, ich sehe, du hast ein Bild gemalt. Da sind blaue und gelbe Striche drauf! Rote Striche auch? Ah ja, da!“ Ganz oft werde ich bereits für „Ja, Körnchen, ich sehe dich!“ schon mit einem strahlenden Lächeln belohnt.

Zugegeben, „ich sehe dich“ kam mir am Anfang nicht so natürlich über die Lippen, wie es wünschenswert gewesen wäre. Ich musste mich daran gewöhnen, wirklich hinzusehen und dann überzeugend und authentisch zu sagen; „ich sehe dich“ . Es ist ähnlich gewöhnungsbedürftig, wie bei einem Zornanfall dazusitzen und zu sagen „ich sehe deinen Ärger und ich halte ihn aus, er darf sein“ – aber es ist nicht nur ein tolles Mantra für mich selbst, sondern auch eine wundervolle Botschaft für das Kind. Ähnliches gilt für „Ich höre dich“ im Kontext von „ich nehme dein Bedürfnis wahr, ich höre es, kann es aber just in diesem Moment nicht erfüllen.“ „Gut gehört ist halb erfüllt“ hört ich Nora Imlau sagen. Noch so ein tolles Mantra 🙂 Aber nochmal kurz zurück zum Loben.

Der Effort-Effekt

Grob umrissen und ohne auf die genauen Einzelheiten* der Studie der Psychologin Carol Dweck (2007) einzugehen beschreibt der Effort-Effekt die Resultate unterschiedlicher Nuancen des Lobens. Lobt man eine eher stabile und schwer veränderbare Eigenschaft, wie die Intelligenz, entwickeln Kinder Strategien, um diese lobenswerte Eigenschaft aufrecht zu erhalten – sie wählen beispielsweise nicht die schwerere Aufgabe, um nicht daran zu scheitern und den Status „du bist aber ein schlaues Kind“ zu verlieren. Oder sie schummeln, um das Etikett „intelligentes Kind“ nicht aberkannt zu bekommen, so Zhao und Kollegen (2017). Lobt man hingegen Leistungen und Bemühungen, also Verhaltensaspekte auf die Kinder aktiv Einfluss nehmen können, so steigt die Motivation. Denn das hat man in der Hand, diesem Lob kann man gerecht werden und es sich immer wieder verdienen.

Aus diesem Grund versuche ich ein wenig darauf zu achten, dass ich, wenn ich schon lobe, keine Eigenschaft sondern eine Tätigkeit, ein Verhalten, lobe. Etwas ganz spezifisches. Kein „du bist sooo schlau“ oder „sooo begabt“, sondern mehr „toll, wie bunt du das gemalt hast!“, „wie viel Mühe du dir beim Basteln gegeben hast!“ und „wie groß du den Legoturm gebaut hast!“ – ein bisschen, wie eine eingebaute Eltern-Kommentarfunktion, die dem Kind zum einen die Welt beschreibt und zum anderen der eigenen Aufmerksamkeit versichert.


*Ihr würdet gern mehr über die genannten Studien erfahren? Was wie getestet wurde? Lasst es mich wissen und ich erkläre euch in einem Audiokommentar gern die Einzelheiten dazu 🙂 Ihr erreicht mir hier in den Kommentaren, aus Facebook oder bei Twitter.

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Quellen

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