Begleitung bis ins Land der Träume

Einschlafbegleitung – warum, wieso, weshalb und sowieso?

Sonntag Abend 19:09 Uhr, ich sitze auf der Couch und schreibe diesen Beitrag. Ich habe Glück, denn heute hat es nicht ganz 25 Minuten gedauert, bis das Körnchen eingeschlafen ist. Er war sehr sehr müde, der Tag war recht aufregend. Beides kein Garant für schnelles Einschlafen, im Gegenteil. Manchmal ist es genau an den aufregenden Tagen am schwersten. Denn es gibt soo viele Eindrücke, die noch einmal bis fünfmal besprochen und somit verarbeitet werden wollen. Und dann dauert es auch mal bis zu zwei Stunden. Zwei lange Stunden, die mich an die Grenzen meiner Geduld bringen. Die eine Seite in mir wecken, die ich lieber vergraben lassen würde.

Wieso das Ganze?

Wenn ich den von mir angewandten Erziehungsstil unbedingt einordnen müsste, dann wäre es eine bindungs- und bedürfnisoriertierte Erziehung. Dieser Ansatz basiert auf evolutionstheoretischen Überlegungen und postuliert, dass Säuglinge und Kleinkinder aus dem überlebenssichernden Bedürfnissen nach Schutz und Sicherheit heraus handeln/agieren/reagieren. Sind sie nicht nur darauf angewiesen, dass wir sie füttern und versorgen, sie bedürfen auch unserer Liebe und Fürsorge. Es liegt ihnen fern, Machtkämpfe mit ihren Eltern oder den ihnen schutzspendenden Personen auszufechten und es schlummern auch kein kleinen Tyrannen in ihnen.

Mit diesem Verständnis kindlicher Bedürfnisse im Kopf und einer Haltung, die diese Bedürfnisse im Sinne einer sicheren Bindung achten möchte, stand etwas anderes als Einschlafbegleitung und Familienbett gar nicht zur Debatte. Aber am Ball zu bleiben und nicht irgendwann das Handtuch zu werfen ist alles andere als leicht. Ich bin eine rastlose Seele und meist sind noch gefühlt 100 Dinge zu erledigen. Und dann liege ich ruhig neben meinem Sohn im Bett und wartet darauf, dass er aufhört von links nach rechts zu kullern, sich auf den Bauch dreht, Popo in die Höhe, und einschläft. Währenddessen in meinem Kopf <Wenn er dann endlich schläft, muss ich noch die Wäsche aus dem Keller holen und aufhängen. Eine Email schreiben, die Reste vom Abendessen in den Kühlschrank packen, seine und meine Tasche für morgen vorbereiten und und und…> diese Unruhe überträgt sich dann wieder auf das Staubkörnchen und er fängt wieder an herumzukullern oder versucht gar nochmal aus dem Bett zu klettern.

Das eigene Kind kennenlernen

Seit sein Vokabular jeden Tag stetig wächst und er sich immer besser ausdrücken kann, kommen wir abends auch immer besser klar. Er kann sich mir mitteilen und meiste verstehe ich, was ihn noch umtreibt und worüber er noch nachdenkt. Oft erzählt er mir dann von den Menschen, mit denen er den Tag verbracht hat, und von Baumaschinen, die er gesehen hat. Das ist dann eine tolle Gelegenheit, ihn und seine Gedanken kennenzulernen. Aber auch schon davor, war es wichtig, ihn zu beobachten und darauf zu achten, was ihn ausmacht.

Ich versuche euch mal zu beschreiben, wie das Körnchen einschläft. Irgendwann dreht er sich auf den Bauch und strampelt abwechselnd mit den Beinen, so dass eines nach dem anderen auf die Matratze knallt. Das wird immer ruhiger, bis er schließlich beginnt, seine Fußrücken in das Leintuch zu reiben. Kurze Zeit später schläft er tief und fest. Er mag keine Socken und Schlafsäcke kann er nicht aufstehen. Ihr seht schon, da sind ein paar Eigenheiten dabei, die ich natürlich erst herausfinden musste. Das Klopfen mit den Füßen z.Bsp. hat mich anfangs wahnsinnig gemacht und ich habe ich zum still liegen bleiben aufgefordert. Doofe Idee! Jetzt freue ich mich, wenn das Klopfen beginnt, denn jetzt weiß ich, dass wir auf der Zielgeraden sind.

Meine Grenzen

Ein häufiges Argument gegen Einschlafbegleitung ist, neben dem Zeitaufwand, eine Art Selbstaufopferung der Mutter (so schon der Öfteren gelesen). Ich kann das tatsächlich nachvollziehen, denn wie bereits oben beschrieben, fällt es auch mir manchmal sehr schwer, diesen Weg zu gehen. Aber nicht nur, weil diese Zeit nicht effektiv für die Arbeit, den Haushalt oder meine Hobbys genutzt werden kann, sondern auch, weil mich meine eigene Ungeduld mit der mir als Kind entgegengebrachten Ungeduld meiner Eltern konfrontiert hat.

Es ist ein bekanntes Phänomen in der Psychologie, dass die Elternschaft Konflikte aus der eigenen Kindheit zum Vorschein bringt. Wird man Mutter beschäftigt man sich unweigerlich mit der Frage, was für eine Mutter man sein will und dieses Frage wiederum stößt eine Auseinandersetzung mit der selbst erlebten Erziehung an. In meinem Fall löst meine Ungeduld, wenn das Körnchen nicht schlafen will/kann, Erinnerungen an die teils heftigen Maßnahmen meines Vaters aus. Das ist zwar schmerzhaft, aber auch eine Chance, diesen Abschnitt meines Lebens zu verarbeiten. Eine Chance zu wachsen, die ich gerne annehmen möchte.

Ausblick

Ich weiß nicht, wann er aus unserem Bett ausziehen wird. Ich werde das nicht forcieren oder trainieren. Er schläft ruhig und vor allem durch, wenn er neben mir liegt und ich bin dadurch sehr entspannt. Aktuell würde ich sagen, dass uns diese Schlafsituation gut tut. Wenn sich das ändert, werden wir das neu bewerten und gegebenenfalls ändern. Denn seine Wünsche und Bedürfnisse werden sich ändern, ebenso wie meine es vielleicht tun werden. Irgendwann will er sicher in seinem Bett schlafen und wird dann vielleicht nur mehr in der Nacht herüberwatscheln und sich zu mir legen. Irgendwann wird auch das vorbei sein. Ich habe keine Eile, das kommt alles früh genug. Und dann werde ich vermutlich, ebenso wie beim abstillen, wehmütig zurückblicken, weil die Zeit so schön war.


Meine Erfahrungen mit dem Familienbett möchte ich auch gern mal niederschreiben, dazu kommt also auch bald was 🙂 wenn ihr das nicht verpassen wollt, dann folgt mir gerne auf Facebook oder Twitter 😉

Ich freu mich auch euch!

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