Nudeln mit Ketchup…

… oder das Ende meiner Pause.

Ich hab’s euch glaub schon mal erzählt: die Mutterschaft war für mich wie eine kleine Pause vom ewigen Funktionieren und der Doppelbelastung, die ich schon recht lange getragen habe. Zu arbeiten begonnen habe ich mit 16, dann durchgearbeitet bis zum Mutterschutz. Nebenbei habe ich das Abitur gemacht und danach Psychologie studiert, was berufsbegleitend dann auch etwas länger gedauert hast, als der Studienplan das vorsieht. Und dann wurde ich Mama und für ein ganzes Jahr stand alles irgendwie still.

Das Körnchen und ich lernten uns kennen, verbrachten die erste Zeit mit ganz viel schlafen und kuscheln und unternahmen nur Dinge, die wir machen wollten. Kaum Termine und ganz viel Zeit – für ihn und auch für mich selbst. Diese Zeit habe ich genutzt, um wieder einer Leidenschaft nachzugehen, die davor etwas ins Abseits geraten war: das Schreiben. Außerdem hab ich Nähen gelernt (es reicht nicht für einen Online-Shop mit Babykleidung, aber ich kann etwas umnähen oder reparieren ;), gehäkelt, gewerkelt und und und.

Nach dem ersten Jahr habe ich dann, schließlich muss es irgendwie weitergehen und diese Wirtschaftspause kann nicht ewig anhalten, mit dem ersten Teil der Therapieausbildung, dem Propädeutikum, begonnen. Ich studiere einfach total gern und mein Hirn hat sich riesig über neues Futter gefreut! Der Plan war, das Propädeutikum im zweiten Jahr meiner Mutterschaft und somit vor dem Wiedereinstieg in den Beruf abzuschließen. Ihr lest richtig…der Plan WAR. Tja, was soll ich sagen: es kam anders.

Ich brauche einen größeren Hut…

Warum es anders kam? Naja, zum einem ist da (*kleiner, ironischer Trommelwirbel*): Corona! Diese Pandemie, mit der ich mich echt immer noch schwer tue, ihren Schweregrad einzuschätzen, hat jede Menge Pläne durcheinander gebracht und meine Geschichte ist da sicher ein ganz kleines Licht in einem Flammenmeer. Deswegen führe ich das gar nicht weiter aus. Der zweite Punkt auf der Liste ist ein Jobangebot, dass unerwartet reingeflattert ist und mich früher als geplant aus der Karenz/Elternzeit zurück in das Arbeitsleben geholt hat. Und schwups, jetzt gilt es noch mehr unter einen Hut zu bekommen, als je zuvor.

Auf der neuen Agenda stehen nun also:

  • Alles rund um‘s Mama sein
  • Prüfungen und Hausarbeiten für die Therapieausbildung
  • Job (ambulante Familienbegleiterin und Case Managerin)
  • Kleinigkeit namens Haushalt
  • Das Schreiben (Blog, Kindergeschichten, Roman, Fachartikel)

Plötzlich ist die To-Do-Liste so lang geworden, dass ich ihr Ende nicht mehr sehen kann. Weil sie gar kein Ende mehr hat! Ab jetzt ist die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ mehr als graue Theorie. Es wird Zeit dieses Konzept auf seine Praxistauglichkeit zu testen.

Wie der Titel schon vermuten lässt, war unser Start etwas holprig. Zwischen der Einarbeitung in den neuen Job (Ordner über Ordner), einer Hausarbeit über Psychopharmakologie (uffff), Sorgen über den erneuten Kinderkrippenstart des Sohnemannes und darüber, ob er schon so weit ist und wie sich das auf unsere Beziehung auswirken wird, habe ich ein echt mieses Essen auf den Tisch gezaubert. Er wollte Mais, ich Würstchen, dann hab ich noch Nudeln in die Pfanne geschmissen. Plötzlich stand ich ratlos vor dem Herd und wusste nicht, was das eigentlich werden soll. Ihr dürft euch jetzt gerne vorstellen, wie ich mich auf der Kücheninsel abstütze, seufze und resigniert die Schultern sinken lasse. Long story short: es gab Ketchup dazu…

Wir müssen uns neu einspielen…

Es hat gar nicht so furchtbar geschmeckt, wie es jetzt vielleicht klingt. Geweint hab ich trotzdem, denn ein solches Essen auf den Tisch zu bringen, widerstrebt meinem Anspruch an mich als Mutter. Einem, wie ich einräumen muss, recht hohem Anspruch. Ich fühlte mich ganz kurz wie eine Versagerin. Blöderweise habe ich auch einen hohen Anspruch an mich als Teilnehmerin einer universitären Weiterbildung und an mich als Familienbegleiterin. Ehefrau bin ich auch nicht nur am Wochenende und unseren Haushalt mag ich auch gern ordentlich und sauber. Bei alle den hohen Ansprüchen ist eines natürlich klar: überall 100% zu geben ist einfach nicht drin. Das sagt mir die Logik. Aber fragt mal, was mein Gefühl davon hält. Und wo Abstiche machen?

Ich hab für all das keine Lösung parat und vermutlich werdet ihr hier noch des Öfteren von unserem Balanceakt lesen. In diesem speziellen Fall half aber das Gespräch mit einer Freundin. Ich sparte mir das „es ist alles ok“ oder „ich hab alles im Griff“ und schildertet einfach, dass die neuen Herausforderungen genau das sind: herausfordernd. Und das wir jetzt erst mal einen neuen Rhythmus finden müssen. Sie erinnerte mich ganz pragmatisch an den Mittagstisch in der Kinderkrippe und ermunterte mich, von dem Anspruch Abstand zu nehmen, immer alles selber zu machen – vor allem wenn dann unterm Strich Nudeln mit Ketchup dabei rauskommen…

Nun isst mein Kleiner an den Tagen, an denen ich arbeiten muss, in der Kinderkrippe, ich kann in Ruhe fertig arbeiten und muss nicht nach Hause rasen, um zu kochen. Ich hatte diese Möglichkeit einfach nicht mehr präsent, da ich sie zu Beginn nicht in Betracht gezogen habe. Erst das offene und ehrliche Gespräch mit einer anderen Mama hat mir eine Möglichkeit aufgezeigt, das Päckchen, dass ich trage, etwas zu erleichtern. Es ist nur eine Kleinigkeit, aber sie hilft, das auf Hochtouren laufende System etwas herunterzufahren, bevor es den Motor zerreißt (womit ich in diesem Fall mich selbst meine). Weitere solche Kleinigkeiten werden sich nach und nach ergeben, zBsp. durch Routine im neuen Job oder durch einen tollen Mami-Hack (ala Ewiger Speiseplan), den man mir freundlichst zur Verfügung stellt 😉 vielleicht lese ich ja bald was tolles hier in den Kommentaren, ich würd mich freuen ❤️


„Heimweh nach wir“ von LEA

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