Lasst uns froh und wertschätzend sein…

Als Eltern kommt man immer wieder in die Situation, dass man die eigene Kindheit und die gemachten Erfahrungen auf dem Prüfstand stellen muss, um entscheiden zu können, wie man mit dem eigenen Kind verfahren möchte.

Für mich ist der Nikolaus-Tag eine solche Herausforderung. Denn meine eigenen Erinnerungen an diesen „Feiertag“ sind nicht unbedingt die Besten. Unser Nikolaus wurde begleitet von einem in schwarzes Fell gehüllten Knecht Ruprecht, der in seinem schwarzen Buch unsere Verfehlungen aufgelistet hatte und seinen Ermahnungen mit der Rute Ausdruck verlieh. Als kleines Mädchen hatte ich große Angst vor diesem schwarzen Mann und war böse mit meiner Mutter, die ihm ja anscheinend verraten hatte, wann ich unartig gewesen bin.

Nun, mein kleines Staubkorn ist dieses Jahr erst 15 Monate alt und versteht das Nikolausfest noch nicht – dieses Jahr muss ich also noch keinen fix fertigen Handlungsplan haben. Aber eines weiß ich genau – es widerspricht meiner wertschätzenden Haltung unserem Kind gegenüber, dass ein wie auch immer gearteter schwarzer Mann, sei es der Krampus oder Knecht Ruprecht, irgendeinen drohenden Einfluss auf meine/unsere Erziehung haben soll. Das gilt aber auch für den Nikolaus selbst.

Ein Nikolaus mit der Botschaft „du bist gut so wie du bist“ hingegen, wird in unserer warmen Stube immer willkommen sein 🙂

Und da wäre natürlich auch noch die Frage, nach der „Echtheit“ des Nikolaus… ohne melodramatisch klingen zu wollen, aber zu behaupten, dass der echte Nikolaus uns besuchen kommt, fühlt sich gelogen an – und ich möchte mein Kind nicht anlügen. Denn ein wertschätzender Umgang bedingt Ehrlichkeit und Authentizität.

Ich will ihm aber auch nicht die Magie des Nikolausfestes und von Weihnachten verderben, ist das magische Denken von Kindern doch etwas unglaublich schönes.

Das lässt mich an das Martinsfest in meiner Grundschule denken – auf einem großen weißen Pferd ritt der heilige Martin in den Schulhof ein, einmal um den Bettler herum und teilte dann seinen Mantel mit ihm. Es war zu jedem Zeitpunkt klar, dass der Mann hoch zu Ross nicht der echte Heilige St. Martin ist, es war eine Aufführung um seine Taten zu würdigen und zu feiern. Die Feier war deswegen um nichts weniger magisch, sie war jedes Jahr aufs Neue wunderschön.

Möglicherweise wird das unser Weg. Mein Bauchgefühl hat zumindest jetzt nach dem Niederschreiben meiner Gedanken viel weniger Einwände als vorher. Und das ist ja auch schon viel wert 😉

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