Muss mein Kleinkind teilen?

Wir Menschen sind soziale Wesen. Selten war uns das so bewusst wie jetzt, wo Abstand und Kontaktreduktion die Devise ist. Und auf das Leben in einer Gemeinschaft wollen wir unsere Kinder natürlich vorbereiten. Sie sollen Manieren haben, Bitte und Danke sagen, hilfsbereit sein und teilen. Teilen sie nicht und reißen ihre Spielsachen mit einem vehementen „Meins!“ aus den Händen eines anderen Kindes, fühlen wir uns plötzlich unwohl und machen uns Sorgen. Machen wir was falsch? Wird unser Kind so je Freunde finden? Und und und.

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Gemeinsam „unperfekt“

eine #gutgenug Sammlung

Das war eine wirklich harte Woche… Tag 7 auf der Migräne-Uhr, 4x beim Arzt. Zweimal heute, nur kurz mittags daheim. Und dann war ich zu müde, um auch noch was vernünftiges zu Kochen. Unser Mittagessen daher heute: Grissini mit Kräuterquark zum dippen, dazu Käsewürfel und Trauben. Körnchen war zufrieden, ich immerhin satt. Ich betrachtete mit zerknautschtem Gesicht die Reste und seufzte. Nun gut, so sieht es hier ja nicht jeden Tag aus. Für heute und für die Umstände ist es aber gut genug. Und beim Gedanken an ‚gut genug‘ musste ich wieder an die Facebook-Gruppe zu Nora Imlaus Kreativwerkstatt denken. Dort sind durch den Austausch zu den einzelnen Modulen nämlich ganz tolle Menschen zusammengekommen und begannen vor zu, sich gegenseitig von ihren Durchbrüchen, Sorgen, Herausforderungen und Strategien zu erzählen, mit denen sie durch ihren Alltag kommen.

Im Anschluss an das 6. Modul eröffnete eine Teilnehmerin auf Facebook einen Post, in dem sie die anderen bat, zu erzählen, wo man sich das Leben leichter macht oder machen kann, wo man den Perfektionismus ablegt und sich selbst die Erlaubnis gibt, Dinge nicht zu tun, weil die Kraft dafür aktuell fehlt. Die Resonanz auf den Post war wundervoll und es kam eine tolle Sammlung zusammen.

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Ausdruckslos

Wie sich fehlende Mimik auf die kindliche Entwicklung auswirkt

Still Face Experiment

von Dr. Edward Tronick

Für das Video zum Experiment hier oder auf das Foto klicken.

Ist eine wichtige Bezugsperson bereits in frühen Phasen der kindlichen Entwicklung nicht in der Lage, mit einem Baby in Interaktion zu treten und seine Gefühle zu spiegeln, hat das gravierende Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung. Das reine Funktionieren als Mutter oder Vater, ein ausdrucksloses oder abgewandtes Beschäftigen mit dem Kind, Beschränkung der Interaktion auf wickeln, füttern, anziehen und ähnliches – derlei Handlungen können zu depressiven Interaktionsmustern bei Säuglingen und Kleinkindern führen. Zurückgezogene, distanzierte und resignierende Babys, die auch im Kontakt mit anderen Personen kein Lächeln oder eine andere mimische Reaktion zeigen, können die Folge sein. Wiederholt fehlgeschlagene Bemühungen um die Aufmerksamkeit der Bezugsperson können zu unruhig, dysregulierten Reaktionen oder passiv-defensiven Haltungen führen. Langfristig sind Entwicklungsverzögerungen bis ins Schulalter möglich.

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„Mein Familienkompass“

„Was brauch ich und was brauchst du“ von Nora Imlau

Buchrezension

Das unten genannte Zitat von Jill Churchill hat mich in meiner Anfangszeit als Mama wie ein Mantra begleitet. Ich hatte es auf eine kleine Tafel geschrieben und gut sichtbar in der Küche aufgestellt, als stete Erinnerung. Mir hat das ungemein gegen mein inneres Streben nach Perfektion geholfen und somit den Druck, perfekt zu sein, herausgenommen. Die Kehrseite der Medaille: es gibt eine Millionen Wege! Das wiederum kann zu Überforderung und große Unsicherheit führen, man verirrt sich im Labyrinth der Ratgeber, Elternkurse, Strömungen, Foreneinträgen, Blogposts… Immer auf der Suche nach einer Bestätigung, einer Rückversicherung, dass man diese sooo wichtige Aufgabe richtig oder gut genug macht.

„There’s no way to be a perfect mom and a million ways to be a good one.“

— Jill Churchill

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Wieso eigentlich immer beim Einkaufen?

Es ist Samstag Vormittag und ich frage das Körnchen: „na, willst du mit zum Einkaufen?“ Er jubelt, ruft: „Hofer!“ und rennt zur Tür. Ich muss die Begeisterung nochmal dämpfen, denn ohne Hose geht’s nicht. Schuhe braucht man auch noch, wie anstrengend. Aber das Körnchen lenkt ein und wir fahren los.

Auf dem Weg zählt er die Dinge auf, die er einkaufen möchte. Pufuleti und Quetschies müssen unbedingt in den Wagen. Und Butter brauchen wir auch. Oh, und Apfelsaft! Wir hören Musik und die Stimmung ist toll. So toll, dass er auf dem Parkplatz direkt loslaufen will, um sich einen kleinen Wagen zu holen. Was ich wiederum einbremsen muss, damit ihm nichts passiert. Es ist immerhin ein Parkplatz, samstags vor einem Discounter!

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„Super! Gut gemacht!“

Gedanken zum Thema Loben

Photo by Kendall Hoopes on Pexels.com

Vor kurzem fragte mich eine Freundin, wie ich das mit dem Loben beim Körnchen handhabe. Tatsächlich hatte ich im Studium vom Effort-Effekt gehört und nach der Lektüre des Artikels „Warum wir unsere Kinder nicht loben sollten“ (sehr empfehlenswert und ausführlicher zum Thema) von geschwünschtestes Wunschkind ebenfalls bereits vor einer Weile darüber nachgedacht und begonnen, mein Verhalten und das anderer Bezugspersonen zu reflektieren.

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Mama, nicht schreien!

Liebevoll bleiben bei Stress, Wut und starken Gefühlen

Buchrezension mit Audiokommentar

Ein verführerischer Titel, nicht? Liebevoll bleiben. Genau das, was Eltern brauchen, genau das, was sie sich so oft wünschen – Notfallhilfe für die stressigen Momente. Die Momente, in denen der Geduldsfaden reißt, das Faß überläuft, die Uhr Zwölf schlägt und einfach alles Zuviel wird. Wenn diese kleinen Menschen uns in den Wahnsinn treiben. Denn das kommt vor. Das gehört dazu.

Der Titel hat auch mich zum Lesen verführt. Denn wie viele Mamis war auch ich auf der Suche nach Strategien, die mir in diesen Momenten helfen können. Ich will nämlich nicht schreien oder laut werden. Will unser liebevolles, zugewandtes Miteinander nicht durch explosionsartige Wut unterbrechen, will nicht aus meiner Haut fahren. Es bereitet mir keine Freude, im Gegenteil, hinterher fühle ich mich schlecht und bereue zutiefst, dass ich mich wieder mal im Ton vergriffen habe.

Ob ich fündig geworden bin?

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Mir raucht der Kopf…

Verspielter Nachmittag

Wisst ihr, was ich heute gemacht hab?

Ich habe fast den ganzen Nachmittag nur gespielt. Das Körnchen hat auf den Matten im Kinderzimmer den Purzelbaum geübt, wir haben uns zu Kindermusik durchs Zimmer gekugelt und dazu gelacht. Wir haben 4 oder 5 Büchern angeschaut, ein bisschen getanzt und dann noch mit Kreide an die Tafel gemalt. Wieso ich das erwähne? Weil ich das Gefühl habe, dass es schon viel zu lange her ist, dass es genau das gab. Zeit nur für uns beide, in der ich nicht irgendwas anderes zusätzlich erledigen musste. Nicht nebenbei kochen, die Küche säubern, die Wohnung aufräumen, ans Diensthandy gehen, Emails schreiben, Wäsche waschen, eine Karte für ein Familienfest basteln, ein Geschenk einpacken, Umschläge mit Verlagsexposes füllen, und und und.

Also nicht falsch verstehen, vieler dieser Sachen müssen trotzdem gemacht werden und ich werde das ein oder andere davon heute Abend nachholen, wenn der Kleine im Bett ist. Aber für diese paar Stunden habe ich sie beiseite geschoben. Und manches davon werde ich neu bewerten und anders gestalten. Eine gekaufte, statt einer gebastelten Karte? Wieso nicht? Das Diensthandy nach offiziellem Dienstschluss ausschalten? Unbedingt sogar! Die Umschläge mit den Leseproben? Eilt nicht, kann man ganz easy nach und nach befüllen, müssen nicht alle auf einem abgearbeitet werden. Umstrukturierungen, weil ich genug hab. Weil ich dabei sein will.

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Begleitung bis ins Land der Träume

Einschlafbegleitung – warum, wieso, weshalb und sowieso?

Sonntag Abend 19:09 Uhr, ich sitze auf der Couch und schreibe diesen Beitrag. Ich habe Glück, denn heute hat es nicht ganz 25 Minuten gedauert, bis das Körnchen eingeschlafen ist. Er war sehr sehr müde, der Tag war recht aufregend. Beides kein Garant für schnelles Einschlafen, im Gegenteil. Manchmal ist es genau an den aufregenden Tagen am schwersten. Denn es gibt soo viele Eindrücke, die noch einmal bis fünfmal besprochen und somit verarbeitet werden wollen. Und dann dauert es auch mal bis zu zwei Stunden. Zwei lange Stunden, die mich an die Grenzen meiner Geduld bringen. Die eine Seite in mir wecken, die ich lieber vergraben lassen würde.

Wieso das Ganze?

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Nudeln mit Ketchup…

… oder das Ende meiner Pause.

Ich hab’s euch glaub schon mal erzählt: die Mutterschaft war für mich wie eine kleine Pause vom ewigen Funktionieren und der Doppelbelastung, die ich schon recht lange getragen habe. Zu arbeiten begonnen habe ich mit 16, dann durchgearbeitet bis zum Mutterschutz. Nebenbei habe ich das Abitur gemacht und danach Psychologie studiert, was berufsbegleitend dann auch etwas länger gedauert hast, als der Studienplan das vorsieht. Und dann wurde ich Mama und für ein ganzes Jahr stand alles irgendwie still.

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